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Aktuelle Entwicklungen in Wissenschaft und Technik beeinflussen genauso wie Veränderungen in Politik oder Wirtschaft zwangsläufig auch immer das Leben eines jeden einzelnen Menschen. Gerade für die Wirtschaft und auch für Handwerksunternehmen gehört der Blick auf neueste Trends und zukünftige Entwicklung daher quasi zum Geschäft – denn ein sicheres und weitgehend kalkulierbares Umfeld bietet erst den Rahmen dafür, zu investieren oder gar Neues zu wagen. So findet bereits seit 1965 jährlich gegen Ende der Internationalen Handwerksmesse in München das Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft statt. Und seit 1971 treffen sich jedes Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Politiker, Manager und Wissenschaftler aus der ganzen Welt, um über die globalen Herausforderungen zu diskutieren.

Herausforderungen von morgen

 

Flexibilität, neue Jobs, umkämpfte Kredite:
Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel  diskutieren Experten,  was Wirtschaft und
Handwerk in Zukunft stemmen müssen 

Diese standen auch schon zu Beginn des Jahres im Mittelpunkt des Ludwig-Erhard-Gipfels (LEG) in Rottach-Egern. Dort trafen sich nun schon zum dritten Mal Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Trendforscher und Publizisten (darunter Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministern Ilse Aigner sowie der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner), um sich über aktuelle Zukunftsfragen der sozialen Marktwirtschaft im globalen Wettbewerb auszutauschen. Damit steht dieser vom Verlegerehepaar Christiane Goetz-Weimer und Wolfram Weimer veranstaltete Gipfel ganz im Geiste Ludwig Erhards, der in Gmund lebte und dort begraben ist.

 

„Die Gegenwart wird sich in zwei Jahrzehnten nicht radikal von der heutigen Gegenwart unterscheiden. Aber in fast allen Lebensbereichen wird sich vieles ändern. Allerdings so moderat, dass genug Zeit bleibt, sich an die Neuerungen zu gewöhnen“, prophezeite Ulrich Reinhardt, Professor für Empirische Zukunftsforschung am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Westküste in Heide und Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, in seinem Vortrag. Die „schöne neue“ Arbeitswelt wird nach Aussagen des Zukunftswissenschaftlers vor allem komplexer, interkultureller und deutlich flexibler. Es würden zusätzlich zum sogenannten Normalarbeitsverhältnis „alternative“ Beschäftigungsverhältnisse, wie etwa Projektarbeit, Leih- oder Teilzeitarbeit und befristete Beschäftigungen weiter an Bedeutung gewinnen. Was wiederum die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft erhöhe – der man auf längere Sicht nur durch ein bedingungsloses Grundeinkommen entgegen wirken könne. Auch die Strukturen der Arbeit verändern sich nach Ansicht der Tagungsteilnehmer zunehmend: Arbeitszeiten und Hierarchien weichen auf, Arbeitsplätze sind nicht mehr nur an Büros oder Fabriken gebunden, die Vernetzung nimmt zu. „In den nächsten 20 Jahren werden Frauen die Gewinner in der Arbeitswelt sein“, sagt Reinhardt. Schon heute stellten sie die Mehrheit der Schul- und Hochschulabsolventen und erzielten zudem noch die besseren Noten. Infolge des demografischen Wandels sowie des damit verbundenen Fachkräftemangels „werden Arbeitnehmer in Zukunft auch wieder länger erwerbstätig sein“. Verlässlichkeit und Vertrauen gelten im 21. Jahrhundert generell als wichtige Werte – angesichts eines sich stark wandelnden Umfeldes mit eingeschränkt vorhersehbaren Entwicklungen wie Digitalisierung oder der noch nicht ausgestandenen europäischen Schuldenkrise.

 

Malerin Suse Kohler mit FDP-Chef Christian Lindner auf dem Expertengipfel.
Foto: WMG

Letzteres hatte als Vorsichtsmaßnahme für die Zukunft unter anderem strengere Auflagen für die Banken in Europa zur Folge, insbesondere höhere Anforderungen an das Eigenkapital der Banken – erst im November 2017 wurde das Reformpaket „Basel IV“ vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlicht. In Kombination mit der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank besteht jedoch die Möglichkeit, dass die strengeren Regeln ungewollt dazu führen könnten, dass gerade kleinere und Handwerksbetriebe oder Neugründungen künftig schwerer Kredite bekommen. Der Grund: Es könnte sich für die Banken das Geschäft mit kleineren Darlehen wegen des hohen Verwaltungsaufwandes nicht mehr lohnen.

 

„Ich sehe aber momentan wegen der guten Konjunktur keine Kreditklemme für kleinere Betriebe. Zudem haben wir in Deutschland einen funktionierenden Wettbewerb unter den Banken“, sagte Martin Mihalovits, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Die Auflagen würden zwar Zeit kosten, aber es läge bei der Bank, „die Geschäftsprozesse, die heute elektronisch abgebildet sind, auf diese neuen Auflagen anzupassen“, sagt Karl-Heinz Hempel, Vorstand Markt der Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG. Als eher kritisch bewerteten die beiden Experten allerdings einen eventuellen Abschwung der Konjunktur sowie mögliche Korrekturen am derzeit überhitzten Immobilienmarkt, die dann tatsächlich Auswirkungen auf die Kreditvergabe haben könnten.

             Franziska Günther