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Wenn auf der Kirta die Röcke fliegen

 

Den allgemeinen Kirchweihsonntag gibt es seit dem 19. Jahrhundert – damals wurden der Obrigkeit die vielen Dorf-Kirchweihen an unterschiedlichen Tagen zu viel

Am dritten Sonntag im Oktober wird Kirchweih gefeiert, „Allerweltskirchweih“, wie dieser Tag vom Volksmund auch genannt wird. Denn längst nicht überall ist dieser Tag im Herbst auch der Jahrestag der Weihe des jeweiligen Gotteshauses – ein Festtag, der bereits seit dem fünften Jahrhundert bekannt ist.

Ganz pragmatische Gründe haben zur Entstehung dieses Feiertags geführt. Bis 1866 wurde in Bayern in Städten und Dörfern Kirchweih noch an dem Datum gefeiert, an dem die Kirche geweiht wurde, beziehungsweise am Sonntag vor- oder nachher. Doch die Feierei beschränkte sich nicht auf den Sonntag, sondern ging auch schon mal bis Mittwoch. Das zeigt die altbayerische Spruchweisheit vom Kirta heute noch: „A gscheiter Kirta dauert bis zum Irta (Dienstag) – und es kunnt se schicka, a dirnmal bis zum Migga (Mittwoch).“

Da die Bevölkerung seinerzeit auch die Kirchweihfeste der Nachbarorte mitgefeiert hat, ist das der Obrigkeit irgendwann zuviel geworden. Die Produktionsausfälle, wie man heute sagen würde, wurden zu groß, die Dorfkirchweih daher abgeschafft, bisweilen gar verboten. An ihre Stelle trat die zentral angeordnete, einheitliche Feier am dritten Sonntag im Oktober. Theologische Gründe für diesen Kahlschlag in der Feiertagskultur des 19. Jahrhunderts gibt es keine.

Wenn die rot-weiße Fahne von allen Kirchtürmen flattert, kündet sie von einem besonderen Feiertag im Kirchenjahr. Die Fahne wird „Zachäus-Fahne“ genannt, in Erinnerung an den Zöllner Zachäus, der, wie im Festevangelium verkündet, extra auf einen Baum gestiegen ist, um den vorübergehenden Jesus zu sehen.

Die Kirta-Hutschn – Mutter aller Fahrgeschäfte

 

Nicht verwechseln darf man übrigens den Weihetag und das Patrozinium einer Kirche, das am Namenstag des Heiligen, auf den sie geweiht ist, gefeiert wird. Allerdings können beide Termine zusammenfallen, wenn beispielsweise eine Petruskirche am letzten Juni-Wochenende Kirchweih feiert, wenn auch das Fest Peter und Paul ist.

In ganz Bayern wird um die Kirchweih herum immer noch traditionsgemäß gefeiert und gegessen. Man denke nur an die Kirchweihnudeln, auch „Auszogne“ genannt, die Kirchweihgans, den Kirchweihtanz oder in Südbayern die Kirta-Hutschn – eine große Schaukel aus einem Balken, die an Bäumen oder am Dach eines Hofgebäudes befestigt wird. Denn den Kirchweihmontag ließ sich die bäuerliche Bevölkerung nicht nehmen: An ihm wurde die „Kirta-Hutschn“ in der Scheune aufgestellt, ein dickes, langes Brett, das man an zwei Ketten unterm Dachfirst aufhängte. Darauf setzten sich die Mädchen, und die Burschen schubsten die Hutschn solange an, bis die Röcke flogen, sich der Magen umdrehte und die Mädchen um Gnade flehten. Die Kirta-Hutschn ist die Urform all der Fahrgeschäfte auf den Volksfesten.

Krimi und
Überraschungsfilm

 

Die Stadtbibliothek Unterschleißheim lädt zur Bibliotheksnacht 2018

Auf der Hutschn und mit Auszognen in der Hand begehen diese Kinder eine zünftige Kirta.
Foto: LVBM

Am Samstag, 20. Oktober, öffnet die Stadtbibliothek Unterschleißheim im Rahmen der Aktionswoche Netzwerk Bibliothek sogar nachts ihre Pforten für die Bürgerinnen und Bürger. Umrahmt von einer Autorenlesung und einer Filmvorführung kann man von 19-24 Uhr in angenehmer Atmosphäre lesen, stöbern, trinken, ratschen und ausleihen.

Die Autorenlesung hält ab 20 Uhr Sabine Kornbichler. Ihr neuester Regionalkrimi „Der letzte Gast“ dreht sich um eine Münchner Hundesitterin, deren Kundin ermordet wird. Das gebürtige Nordlicht Kornbichler wurde bereits mit dem Limburgpreis ausgezeichnet und für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.

Um 22 Uhr folgt dann ein Überraschungsfilm.

Zwischen den Verantsaltungen können die Besucher der Bibliotheksnacht zwischen 56.000 Medien stöbern, die nicht nur unterhalten und informieren, sondern auch viele Inhalte zur allgemeinen und beruflichen Bildung liefern. Alleine 43.000 davon sind Bücher und 9000 sind CDs, DVDs und andere audiovisuelle Medien.

Was wenige wissen: In der Munzinger Online-Bibliothek können Besucher ausführliche und sorgfältig recherchierte Biografien bekannter Menschen einsehen – und auf diese Weise, anders als im Internet, gesicherte Infos sammeln. Auch Zeitschriften und Zeitungen liegen bereit.

Der Bestand ist gut zu durchschauen, wer etwas Bestimmtes sucht, findet es in der Regel schnell, dank eines klar gegliederten Bibliothekskatalogs, eines unkomplizierten Leitsystems und freundlicher Mitarbeiter.

Lese- und Arbeitsplätze sowie Leseinseln laden zum Schmökern ein. Auf der Galerie finden die Besucher den Veranstaltungsraum und das Lesecafé mit vielen Zeitschriften und Zeitungen. Zwei Internetplätze und ein W-Lan-Hotspot stehen ebenfalls bereit.

Bibliotheksnacht in der Stadtbibliothek Unterschleißheim, 20. Oktober, Beginn 19 Uhr, Eintritt frei. Adresse: Rathausplatz 1, Unterschleißheim

Bildung für Nepal und Indien

 

Die Kirchheimer HUMAN-Stiftung berichtet bei zwei Vortragsabenden über ihre Projekte

Die Kirchheimer Human-Stiftung für Menschen in Armut und Not lädt zu zwei besonderen Vortragsabenden ein. Der erste stellt zwei Projekte der Stiftung in Nepal und Indien vor, der zweite gehört dem buddhistischen Oberhaupt Dolpo Tulku Rinpoche.

Am Montag, 22. Oktober, zeigen Stiftungs-Vorstand Karlheinz Neumann und Joachim Schnittke Filme über eine Trekkingtour zum Schulprojekt in Saldang im Upper-Dolpo in Nepal sowie über ein Kinderprojekt im indischen Uttar Pradesh. Beide Projekte werden im Detail erläutert.

Die Zuschauer erleben im Nepal-Teil des Abends faszinierende Eindrücke der 21-tägigen Trekking-Tour in die entlegene Bergregion Upper-Dolpo im Himalaya, lernen die Menschen in diesem Gebiet kennen und erfahren vor allem etwas über die Kinder und die Schule in Saldang. Diese liegt auf 4053 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und der Ort lässt sich nur über Pässe erreichen, die über 5000 Meter hoch sind.

Im Vortrag des Indienprojektes lernen die Zuschauer schließlich ein seit 2015 laufendes Vorhaben mit derzeit 50 Kindern im Ort Robertsganj kennen. In ihrem Center ermöglicht die Human-Stiftung den jungen Leuten Bildung und Ausbildung, so dass sie in der Lage sind, ihr Leben eigenständig und selbstbestimmt zu gestalten. Alle Familien leben unterhalb der Armutsgrenze in einem der ärmsten Bundesstaaten in Indien. Die Lektoren berichten auch über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen im Human-Center von Robertsganj.

Beide Vorträge dauern mit Diskussion rund zwei Stunden. Beginn: 19.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Peter in Kirchheim (Ortsteil Heimstetten), Maria-Glasl-Straße 16.

Die Schüler der Lower Secondary School in Saldang, Nepal.
Foto: HUMAN-Stiftung

Buddhistische Lehren über Glück und Leidie Kirta-Hutschn – Mutter aller Fahrgeschäfte

 

Am Mittwoch, 14. November, kommt Dolpo Tulku Rinpoche wieder nach Kirchheim. Der im Ort bereits bekannte und gern empfangene buddhistische Meister hält in diesem Jahr einen spannenden Vortrag über „Glück und Leiden auf dem Weg zur inneren Transformation“. Dolpo Tulku Rinpoche ist ein buddhistisches Oberhaupt in der nepalesischen Dolpo-Region und Projektpartner des Winterschulprojekts in Saldang. Die Veranstaltung findet im Pfarrsaal von St. Andreas in Kirchheim, Pfarrer-Caspar-Mayr-Platz 2 statt. Beginn: 19.30 Uhr.

Die Human-Stiftung freut sich über viele Besucher bei den Vorträgen. Der Eintritt ist jeweils frei, Spenden werden erbeten. Der Erlös kommt den beiden vorgestellten Projekten zugute. Mehr Infos unter: www.human-stiftung.org